LABOR ÜBERSICHT

Kreativ werden – die Krise der Werbetechnik

Kreativ am Boden?

Der Messebau und die Veranstaltungsbranche liegen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie am Boden und damit die gesamte Messewirtschaft als eine der führenden Dienstleistungsbranchen in Deutschland. Alle Planer und Kreativen, alle Schaffer und Macher, die Messen veranstalteten oder Serviceleistungen für Veranstalter und Aussteller erbrachten, sind nun zum Nichtstun verdammt. Wer heute die Warnungen der WHO von vor zehn Jahren liest, fragt sich vielleicht, wie man so unvorbereitet getroffen werden konnte. (Hier ein schöner Bericht aus der Süddeutschen aus dem Mai 2010).
Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) versucht zwar noch ein wenig Zuversicht zu verbreiten und will die Hoffnung noch nicht begraben, dass ab dem zweiten Halbjahr wieder vorsichtig mit einigen Veranstaltungen zu rechnen sein kann – aber die allermeisten von uns glauben nicht daran. Fast alle Beteiligten in den vielfältig aufgestellten Betrieben, die sich wie unserer mit Werbetechnik und Großformatdrucken beschäftigen, sind betroffen. Große und kleine Unternehmen, One-Man-Shows und unsere geliebten „Hands“ – die Aushilfen, die die vielen Veranstaltungen oft erst möglich machen. Es nicht zu leugnen, dass Tausende Beschäftigte, Selbstständige und Solo-Verantwortliche zur Zeit zusehen müssen, wie sie die nächsten Wochen und Monate überbrücken.

Um das zu schaffen heißt es eben jetzt kreativ zu sein. Wenn nicht wir Werbetechniker, Digitaldrucker, Messebauer und Folierer in diesem Land – wer dann? Wir sind dazu da, Unternehmen und Ideen ins rechte Licht zu rücken. Gerade jetzt. Wir müssen die, die noch da sind, sichtbar machen und denen, die Hilfe (ebenso wie wir) brauchen, den Rücken stärken.

 

Wie oft müssen wir in dieser Branche Unmögliches möglich machen.

Dann eben jetzt auch! Die aktuelle Situation verlangt es, alternative Wege zu gehen und auf Kundenwünsche zu reagieren. Ja, so werden seit Wochen in diesem Land alle verfügbaren Plexi- und Acrylglasplattenbestände aufgekauft und zu „Spuck- und Niesschutzscheiben“ gefräst und geschnitten. Aufkleber mit Anti-Covid19-Hinweisen zieren überall die Böden in Supermärkten und Ladengeschäften. Jetzt sind die Friseure dran: um Ihnen zu ermöglichen möglichst viele Kunden bedienen zu können, werden nun Trennwände gefertigt, die bestenfalls mobil und gut zu reinigen sind. Das sind wahrlich keine besonders kreativen Produkte und Meisterwerke – aber sie werden nun einmal genau jetzt benötigt.

Ja, wir alle möchten lieber beeindruckende Grafiken verkleben, auf Messen Motivwände aufbauen oder riesige Leuchtreklamen und Fassadenbanner installieren – eben das tun, was wir gut und mit Leidenschaft können. Aber jetzt heißt es nunmal, dass wir unsere Stoffe auf unseren Anlagen zu Mund-und Nasenmasken schneiden und nicht zu großen Messegrafiken verarbeiten. Jetzt heißt es, dass wir Acryl nicht in schöne Formen und beleuchtete Logos bringen, sondern „Spuckschutzscheiben“ (allein dieses Wort!) fräsen, mobile Trennwände bereit stellen, damit Friseure mehr als 2 Kunden in ihren Salons bedienen dürfen. Wir haben die Techniken drauf und können es. Also müssen wir jetzt aushelfen, weil wir wissen, wie es geht, weil wir die Maschinen dazu haben und vor allen, weil es jetzt benötigt und gefordert wird. Machen wir es doch zu etwas Schönem!

 

Die aktuelle Situation erfordert es aber auch, dass diejenigen, die uns jetzt brauchen, um sich noch stärker zu positionieren, auch fair und zeitnah dafür bezahlen.

 

Und die aktuelle Situation erfordert es, dass einiges auch einmal getan wird, ohne dafür etwas zu verlangen.
An dieser Stelle möchte ich beispielhaft für viele andere die „Initiative für die Veranstaltungswirtschaft“  erwähnen, deren Initiatoren sich seit Wochen um eine direkte Berichterstattung und Soforthilfen für alle wirtschaftlich Betroffenen bemühen – alles mit viel Einsatz und ohne Bezahlung.

 

Nicht jeder wird es schaffen. Nicht jeder wird ausdauernd genug sein. Aber es werden sicherlich und ganz bestimmt wieder bessere Zeiten kommen. Angeblich erwischt uns statistisch nur alle 60 Jahre eine derartige Pandemie und die positive Nachricht lautet: unsere Zeit ist schnelllebig und wir werden aus der Krise heraustreten. Nicht alle werden noch das tun, was sie vorher taten und nicht alle werden wieder komplett antreten. Nicht alle, aber bestimmt nicht die, die den Kopf in den Sand gesteckt haben und sich unsichtbar gemacht haben. In diesem Sinne: zeigt euch und es wird euch nichts geschehen! Ich bin wirklich gespannt, was wir in unserer Branche – und wir alle – daraus machen!

Sandra Orkunt

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